80 Prozent der europäischen Wechselrichter aus China
Chinesische Hersteller wie Huawei, Sungrow, Growatt und Goodwe beherrschen 80 Prozent des europäischen Marktes für intelligente Wechselrichter. In Deutschland, das vor zehn Jahren noch Marktführer war, kommen heute 8 von 10 Wechselrichtern aus China. Auch in Belgien und den Niederlanden sieht man hauptsächlich chinesische Marken.
Diese Dominanz wurde im Mai 2025 zu einer Sicherheitsfrage, als amerikanische Forscher nicht dokumentierte Kommunikationsgeräte in chinesischen Wechselrichtern entdeckten. Kleine Sender und Mobilfunkgeräte, die nicht in den technischen Spezifikationen aufgeführt waren, können Firewalls umgehen und direkte Kommunikation mit China ermöglichen. Die Frage ist einfach: Wenn dies in den USA vorkommt, ist es dann auch in europäischen Installationen vorhanden?

Niederländischer Hacker erhält Zugriff auf eine Million Wechselrichter
Im Jahr 2022 zeigte ein niederländischer ethischer Hacker die Verwundbarkeit auf. Er erhielt Zugriff auf eine chinesische Plattform, die eine Million installierte Wechselrichter steuerte. Das Passwort des Hauptadministrators war nicht gesichert. Erst nach acht Monaten und der Intervention der niederländischen Regierung über die chinesische Botschaft wurde das Leck geschlossen.
Die Niederlande ließen daraufhin neun Wechselrichter auf Cybersicherheit untersuchen. Keiner erfüllte die minimalen europäischen Sicherheitsnormen. Im Jahr 2024 erhielt erneut ein niederländischer Hacker Zugriff auf eine Plattform mit vier Millionen Wechselrichtern. Bei einem deutschen und zwei chinesischen Herstellern wurden Ende März 2024 mehrere Sicherheitslücken festgestellt.
👀 Tausende gleichzeitig steuerbar
Ein belgischer Installateur demonstrierte, wie er von seinem Büro aus 4.500 Wechselrichter gleichzeitig steuern konnte. „Ich kann sie aus der Ferne aktualisieren, aber auch abschalten“, zeigte er. Nicht um Schaden anzurichten, sondern um zu zeigen, wie verwundbar das System ist. „Wenn ich das kann, dann kann der Mann in seinem Elfenbeinturm in China das natürlich auch.“
Drei Schwachstellen
Sicherheitsexperten von Secura identifizierten im Auftrag der niederländischen Regierung drei Angriffswege:
Cloud-Portale
Die meisten Menschen verfolgen ihren Ertrag über Online-Plattformen. Hacker können über Schwachstellen in diesen Plattformen Zugriff auf Tausende von Installationen gleichzeitig erhalten.
Software-Exploits
Sicherheitslücken in der Software von Wechselrichtern ermöglichen direkten Zugriff. Ein deutscher Wechselrichterhersteller meldet, dass ihre Installationen wöchentlich angegriffen werden.
Hardware-Backdoors
Versteckte Komponenten, die Firewalls umgehen, wie in Amerika entdeckt. Diese Hardware kann jederzeit aktiviert werden.
Secura warnt, dass Störungen die regionale oder landesweite Stromversorgung lahmlegen können.
Flandern hat keinen Überblick
In Flandern müssen alle Wechselrichter bei Fluvius für die technische Prüfung angemeldet werden. Diese Daten befinden sich in Datenbanken, einschließlich Marke, Typ und Hersteller. Dennoch gibt es kein echtes ‚Inventar‘.
Europäische Reaktionen geteilt
Litauen verbot bereits größere chinesische Wechselrichter und erwägt eine Ausweitung auf kleinere Modelle für Privatpersonen.
Estland: Der Leiter des Auslandsgeheimdienstes rief zu einem Verbot chinesischer Wechselrichter auf.
Vereinigtes Königreich führt eine Überprüfung der chinesischen erneuerbaren Energietechnologie im britischen Energiesystem durch.
Niederlande verschärften die Kontrollen. Die Agentschap Telecom startete nach den Hack-Vorfällen eine Untersuchung zu Wechselrichtern. Branchenorganisationen Holland Solar, NedZero, Energie Nederland und ESNL forderten das Parlament zu zusätzlichen Maßnahmen auf.
SolarPower Europe, die europäische Interessenorganisation, schloss im März 2025 den chinesischen Marktführer Huawei aus ihrer Organisation aus. Huawei war ein wichtiger Sponsor, aber nach einem europäischen Korruptionsskandal, bei dem das Unternehmen verdächtigt wird, Beamte bestochen zu haben, wurde die Position unhaltbar.
Neue europäische Gesetzgebung
Ab August 2024 müssen drahtlos verbundene Geräte, einschließlich Wechselrichter, Cybersicherheitsanforderungen gemäß der Radio Equipment Directive erfüllen. Die Agentschap Telecom kann Geräte, die nicht konform sind, vom Markt nehmen.
Der Netcode on Cybersecurity legt verbindliche Vorschriften für Einrichtungen fest, die ein Risiko für das europäische Stromnetz darstellen. Wichtig: Diese Regeln gelten auch für Einrichtungen außerhalb Europas, die Wechselrichter in großem Umfang fernsteuern.
Die NIS2-Richtlinie muss in niederländisches und belgisches Recht umgesetzt werden. Branchenorganisationen finden die aktuelle Umsetzung unzureichend auf den Energiesektor zugeschnitten.
SolarPower Europe fordert, dass Wechselrichter als kritische Infrastruktur mit strengeren Sicherheitsanforderungen betrachtet werden. Sie warnen, dass chinesische Unternehmen an Gesetze gebunden sind, bei denen sie die Staatsinteressen Chinas unterstützen müssen.
Europäische Alternativen
Europäische Hersteller haben einen kleineren Marktanteil, bieten aber mehr Sicherheit. Sie werden von ihren Installateuren und Verbrauchern gelobt für ihre:
- Längere Lebensdauer
- Zuverlässige Garantien
- Lokaler Support
- Transparentere Datensicherheit und Firmware-Verwaltung
- SMA (Deutschland): Größter europäischer Hersteller, Lebensdauer 10+ Jahre, guter Support.
- Fronius (Österreich): Hochwertige Wechselrichter, starke Reputation in der Benelux.
- Kostal (Deutschland): Etablierter Name seit Jahren.
- SolarEdge (USA): Amerikanische Technologie mit europäischem Helpdesk und Support.
Diese Marken sind 20-40 Prozent teurer als chinesische Alternativen. Für eine Installation von 5.000 Euro bedeutet das 1.000-2.000 Euro Unterschied. Aber Sie verringern die Abhängigkeit von einer Produktionsregion und erhalten besseren lokalen Support.
Offline-Konfiguration möglich
Wechselrichter können ihre Grundfunktion (Stromumwandlung) ohne Internetverbindung ausführen. Dies eliminiert externen Zugriff vollständig.
❌ Nachteil: keine Fernüberwachung, keine automatischen Updates.
✅ Vorteil: niemand kann Ihr System von außen abschalten.
Was bei Stromausfall durch Angriff zu tun ist
Wenn ein großflächiger Angriff das Netz trifft, fällt Ihre Stromversorgung aus. Steckerbatterien helfen nur begrenzt, da sie Strom zum Aufladen benötigen.
Effektivere Lösungen:
- Tragbare Solarmodule mit eigenem Wechselrichter, die nicht über das Internet verbunden sind. Diese funktionieren unabhängig davon, was mit dem Netz passiert.
- Generatoren mit Benzin oder Diesel bieten unabhängige Stromversorgung für wesentliche Geräte.
- Heimspeicherbatterien, die vorab geladen sind, bieten Überbrückung für Grundbedürfnisse.
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