Öffentliche Unterstützung für Verteidigung bleibt begrenzt
Nur 23 Prozent der EU-Bürger wollen, dass europäische Mittel für militärische Zwecke verwendet werden. In einer Umfrage von Eurobarometer kommen Verteidigungsfähigkeiten und Infrastruktur erst auf Platz sieben von zehn möglichen Investitionsprioritäten. Diese Zahlen stehen in krassem Gegensatz zu den dringenden Aufrufen von NATO- und EU-Führern zu erhöhten Militärausgaben. Am auffälligsten sind die Unterschiede nach Ländern.
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Was denkst du? Sollten Länder mehr Geld für Verteidigung ausgeben?
Geografische Unterschiede bestimmen Unterstützung
Osteuropäer zeigen mehr Besorgnis
Die Unterstützung für Verteidigungsausgaben zeigt ein klares geografisches Muster. Länder in der Nähe Russlands, des größten und nächstgelegenen Feindes Europas und der NATO, sind am ehesten bereit, in Verteidigung zu investieren:
- Estland: 50 Prozent Unterstützung
- Finnland: 46 Prozent Unterstützung
- Litauen: 46 Prozent Unterstützung
West- und Südeuropa bleiben abseits
Am anderen Ende des Spektrums – und oft auch Europas – finden wir viel niedrigere Unterstützungswerte:
- Italien: 12 Prozent Unterstützung
- Bulgarien: 13 Prozent Unterstützung
- Ungarn und Slowenien: 14 Prozent Unterstützung
- Irland: 15 Prozent Unterstützung
- Spanien: 17 Prozent Unterstützung
Niederlande und Belgien: gemäßigte Unterstützung
In den niedrigen Ländern liegt die Unterstützung für Verteidigungsausgaben zwischen den Extremen:
- Niederlande: 38 Prozent Unterstützung
- Belgien: 27 Prozent Unterstützung
Diese Zahlen zeigen einen bemerkenswerten Kontrast zur aktuellen Politik beider Länder. Die Niederlande erreichten 2024 zum ersten Mal seit Anfang der neunziger Jahre wieder die NATO-Norm von 2 Prozent des BIP, mit einem Verteidigungsbudget von 22 Milliarden Euro. Die niederländische Regierung erwägt sogar eine weitere Erhöhung auf 3,5 Prozent des BIP.
Belgien hatte jahrelang die niedrigsten Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO, ergriff aber dieses Jahr drastische Maßnahmen. Das Land erhöhte sein Verteidigungsbudget auf 2 Prozent des BIP (12,8 Milliarden Euro im Jahr 2025) und plant eine weitere Erhöhung auf 2,5 Prozent im Jahr 2034.
Die Botschaft kommt nicht an
Daniel Fiott vom Centre for Security, Diplomacy and Strategy erklärt, warum Führungskräfte in ihrer Kommunikation scheitern: „Man kann die Menschen in West- und Südeuropa nicht davon überzeugen, dass russische Truppen bald in ihren Hauptstädten landen werden.“
Er kritisiert den derzeitigen Ansatz: „Zu viele Führungskräfte spielen mit Angsttaktiken – das wird nicht funktionieren.“ Die wirtschaftliche Unsicherheit spielt ebenfalls eine Rolle. Bürger befürchten, dass höhere Verteidigungsausgaben auf Kosten anderer öffentlicher Dienstleistungen gehen.
Fazit
Die Eurobarometer-Umfrage zeigt ein grundlegendes Problem: Während Sicherheitsexperten für dringende Verteidigungsinvestitionen plädieren, bleiben europäische Bürger auf unmittelbare Sorgen wie Gesundheit, Bildung und Beschäftigung fokussiert. Diese Kluft stellt eine Herausforderung für Politiker dar, die Unterstützung für erhöhte Verteidigungsausgaben suchen. Ohne bessere Kommunikation über konkrete Sicherheitsrisiken wird die öffentliche Unterstützung für militärische Investitionen begrenzt bleiben.








