Warum das Silicon Valley massenhaft in den Untergrund geht
Die Berichte über Bunker von Milliardären tauchen regelmäßig auf: Mark Zuckerberg, der 270 Millionen Dollar in einen Komplex auf Hawaii mit einem unterirdischen Schutzraum von 465 Quadratmetern investiert. Peter Thiel, der Grundstücke in Neuseeland aufkauft. LinkedIn-Gründer Reid Hoffman, der offen über seine ‚Apokalypse-Versicherung‘ spricht.
Das Muster ist klar. Führungskräfte aus der Technologiebranche bereiten sich vor auf eine oder andere Form gesellschaftlicher Zerrüttung. Die Frage, die sich viele stellen: Wissen sie etwas, das wir nicht wissen? Oder ist dies hauptsächlich ein Statusspiel zwischen Menschen, die mehr Geld haben, als sie ausgeben können?
📈 Mehr als 50% sind vorbereitet
LinkedIn-Gründer Reid Hoffmann sagt, dass sicherlich 50 Prozent der Tech-Milliardäre eine Form von ‚Apokalypse-Versicherung‘ haben. Er beschreibt, wie viele Milliardäre aus dem Silicon Valley einen Zufluchtsort im In- oder Ausland eingerichtet haben — zum Beispiel in Neuseeland — als Teil dieser „Versicherung“ gegen mögliche katastrophale Ereignisse.
Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick doch besorgniserregend. Wenn die Menschen, die unsere digitale Infrastruktur entwerfen, sich auf deren Untergang vorbereiten, sollte das zum Nachdenken anregen.
Zuckerbergs Millionen-Bunker
Das Projekt von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf der hawaiianischen Insel Kauai erhielt viel Aufmerksamkeit, als die Pläne durchsickerten. Koolau Ranch, wie das Anwesen heißt, umfasst gut 560 Hektar. Der Komplex umfasst zwei Villen mit einer Gesamtfläche von 5.300 Quadratmetern, verbunden durch einen Tunnel zu einem unterirdischen Schutzraum.
Dieser Bunker hat eine mit Beton gefüllte Metalltür – eine Konstruktion, die man normalerweise nur bei militärischen Anlagen sieht. Das Ganze wird völlig autark, mit eigener Wasser- und Energieversorgung. Mitarbeiter mussten strikte Geheimhaltungsvereinbarungen unterschreiben, und einige wurden entlassen, nachdem sie Fotos in sozialen Medien gepostet hatten.
Zuckerberg selbst spielt die Aufmerksamkeit herunter. Er nennt den Bunker „einfach einen kleinen Schutzraum“ und betont, dass es hauptsächlich um nachhaltige Viehzucht geht.
Neuseeland als ultimatives Zufluchtsort
Neuseeland hat sich zum beliebtesten Zufluchtsort für Tech-Milliardäre entwickelt. Das Land liegt abgelegen, ist politisch stabil und hat ein „Golden-Visa“-Programm, mit dem Reiche relativ leicht eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten können.
Peter Thiel, Mitgründer von PayPal, kaufte dort 2015 ein Anwesen von 193 Hektar am Lake Wanaka. Er erhielt 2011 sogar die Staatsbürgerschaft, obwohl er sich nur 12 Tage im Land aufgehalten hatte. Seine Pläne für einen bunkerähnlichen Komplex wurden 2022 von der Lokalregierung wegen Bedenken über die Auswirkungen auf die Landschaft abgelehnt.
Reid Hoffman formulierte es 2017 treffend: „Zu sagen, dass man ‚ein Haus in Neuseeland kauft‘, ist eigentlich ein Augenzwinkern für einen Apokalypse-Schutzraum.“ Er schätzte, dass etwa die Hälfte seiner Milliardärs-Kollegen im Silicon Valley eine solche Versicherung abgeschlossen hat.
👀 Schauen Sie in einen Bunker hinein!
Wir sprachen mit zwei Unternehmen, die Bunker installieren, und besuchten auch einen. Den Artikel darüber lesen? Das geht hier!
Was treibt diese Angst an?
Die offiziellen Erklärungen variieren. Einige nennen das Aufkommen künstlicher Intelligenz als Sorge. Andere verweisen auf geopolitische Spannungen, Klimawandel oder Pandemien.
Dennoch gibt es auch eine kritische Seite der Geschichte. Soziologe Douglas Rushkoff, der umfangreiche Forschungen zu diesem Trend durchgeführt hat, stellt fest, dass sich viele dieser Milliardäre hauptsächlich Sorgen über den Verlust ihrer privilegierten Position machen.
KI-Angst: Marketing oder reale Gefahr?
Die Sorge über künstliche Intelligenz spielt eine auffällige Rolle in der Debatte. Einige Tech-Führungskräfte zeichnen apokalyptische Szenarien, in denen superintelligente KI unkontrollierbar wird. Gleichzeitig entwickeln dieselben Unternehmen diese Technologie intensiv. Es stellt sich dann auch die Frage, ob die Angst vor KI hauptsächlich eine clevere Marketingstrategie ist oder eine aufrichtige Sorge. Der wissenschaftliche Konsens ist jedenfalls, dass AGI und „Superintelligenz“ vorerst nicht vor der Tür stehen.
Die Bunkerindustrie boomt
Die öffentliche Aufmerksamkeit für Zuckerbergs Bunker hatte einen bemerkenswerten Effekt. Ron Hubbard, CEO von Bunkerhersteller Atlas Survival Shelters, meldete, dass sein Telefon nicht mehr stillstand: „Es verursachte eine Kaufwelle, als ob der Dritte Weltkrieg bevorsteht.“
🧱 Selbst einen Bunker bauen?
Selbst einen Bunker oder nuklearen Schutzraum bauen? Wir sprachen mit verschiedenen Herstellern aus Belgien und den Niederlanden.
👀 In diesem Artikel schauen Sie mit in einen Schutzcontainer hinein
Robert Vicino von Bunkerhersteller Vivos sah dasselbe: „Jetzt, wo Zuckerberg die Katze aus dem Sack gelassen hat, denken andere mit vergleichbarem Status: ‚Oh Gott, wenn er das tut, weiß er vielleicht etwas, das ich nicht weiß.'“
Der Markt variiert enorm. Einfache Bunker beginnen bei etwa 35.000 Dollar für einen Betoncontainer. Luxusvarianten können Millionen kosten und sind ausgestattet mit Schwimmbädern, Fitnessräumen, Bowlingbahnen und sogar Schießständen. Der Survival Condo-Komplex in Kansas – eine ehemalige Raketenabschussanlage – bietet Apartments 15 Stockwerke unter der Erde, komplett mit Cocktaillounge.

Europa hinkt hinterher
In Europa ist die Situation anders. Länder wie die Schweiz und Finnland haben umfangreiche Netzwerke öffentlicher Schutzräume. Die Schweiz hat Platz für mehr als 9 Millionen Menschen, und in Helsinki kann die gesamte Bevölkerung von 900.000 Einwohnern unterirdisch Schutz suchen.
Auch in den Niederlanden und Belgien gibt es in den letzten Jahren (leicht) ein gestiegenes Interesse an Bunkern, auch weil so wenige öffentlich verfügbar sind. Daran könnte sich jedoch etwas ändern, da der belgische Verteidigungsminister für Bunker in Parkhäusern plädiert.

Sollten wir auch einen Bunker bauen?
Und dann kommen wir zur Kernfrage: Wenn Milliardäre sich auf Katastrophen vorbereiten, sollten normale Menschen das dann auch tun?
Die Antwort ist nuancierter als Sie denken. Erstens haben diese Milliardäre Mittel, die für normale Menschen unerreichbar sind. Ein Bunker von mehreren hunderttausend Euro, gefüllt mit Vorräten für Monate, ist für die meisten Familien keine Option.
Zweitens gibt es keine Beweise dafür, dass diese Tech-Führungskräfte über geheime Informationen verfügen. Ihre Vorbereitung entspringt denselben Nachrichtenberichten und Sorgen, die wir alle sehen: geopolitische Spannungen, Klimawandel, Pandemien. Der Unterschied ist, dass sie die Mittel haben, um extreme Maßnahmen zu ergreifen.
Experten weisen auch darauf hin, dass extreme Isolation nicht unbedingt die beste Überlebensstrategie ist. Wenn Sie wirklich eine Apokalypse überleben wollen, lernen Sie Ihre Nachbarn kennen, schließen Sie Freundschaften und bilden Sie Gemeinschaften. Das ist eine viel wahrscheinlichere Überlebenstechnik, als sich vollständig unter der Erde zu isolieren.
Was können Sie selbst tun?
Anstatt Millionen in einen Bunker zu stecken, können Sie als normaler Mensch sinnvolle Schritte unternehmen:
Vorräte anlegen Halten Sie haltbare Lebensmittel, Wasser und Basismedikamente im Haus für mindestens drei Tage, vorzugsweise eine Woche. Nicht aus Angst, sondern aus nüchternem Risikomanagement.
Wissen aneignen Lernen Sie Grundfertigkeiten wie Erste Hilfe, Brandbekämpfung und Wasserfiltration. Dieses Wissen ist in nahezu jeder Krisensituation wertvoll.
Lokales Netzwerk aufbauen Kennen Sie Ihre Nachbarn. Wissen Sie, wer wobei helfen kann. In Krisensituationen ist eine starke Nachbarschaftsgemeinschaft oft wichtiger als physische Vorräte.
Gesunden Menschenverstand bewahren Lassen Sie sich nicht von der Angstkultur mitreißen. Bereiten Sie sich auf wahrscheinliche Szenarien (Stromausfall, Wetterextreme) vor, anstatt auf filmreife Apokalypse-Fantasien.








