„Ich helfe mir selbst“ war eine Reihe von Broschüren, die während des Ersten oder Zweiten Weltkriegs herausgegeben wurden. Ein Titel davon war „Kaninchenzucht in Kriegszeiten“, geschrieben von K. Verhasselt, Ingenieur, Agronom, offizieller Vortragender über Kaninchenzucht. Einen Scan der Broschüre finden Sie über diesen Link.
Darin steht, dass es damals äußerst schwierig war, an Fleisch zu gelangen. Sie empfahlen Kaninchen zum Züchten, weil sie beim Futter nicht wählerisch sind, man sie leicht züchten kann und sie nur einen einfachen und hygienischen Stall benötigen. Man kann auch etwas dazuverdienen, indem man ihr Fell verkauft. Es wird beschrieben, wie man ein Kaninchen schlachten und das Fell abziehen kann. Auch wie man einen Kaninchenstall zum Züchten bauen kann, liest man in der Broschüre.
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Erster Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Bevölkerung in Belgien sogar von den Deutschen angespornt, Kaninchen zu züchten. Sie taten dies über Plakate. Kaninchenställe sind nicht groß (zum Züchten jedenfalls) und man kann sie im Garten oder drinnen aufstellen. Sie können bereits mit 10 bis 12 Wochen geschlachtet werden. Dann wiegen sie etwa 2,5 Kilo. Die Zuchthäsinnen bekommen pro Wurf 4 bis 8 Junge. Sie säugt ihre Jungen vier bis fünf Wochen, die dann gemästet werden. Sie sind bereits nach 3 bis 4 Monaten geschlechtsreif, aber für die Gesundheit des Kaninchens ist es besser, sie erst nach 9 Monaten zu decken. Gesündere Zuchthäsinnen bekommen auch gesündere Junge.
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Welche Rasse ist als Fleischkaninchen geeignet?
Auf jeden Fall darf man keinesfalls Kaninchen verwenden, die in der gewöhnlichen Tierhandlung verkauft werden. Es müssen Rassekaninchen sein. Die ersten Kaninchen, die man kauft, dürfen nicht miteinander verwandt sein, um Inzucht so weit wie möglich zu vermeiden. Man kann auch gelegentlich Kaninchen mit anderen Menschen tauschen, um Inzucht zu vermeiden, denn durch Inzucht werden sie unfruchtbar und dann kann man nicht mehr mit ihnen züchten.
In der Broschüre aus der Kriegszeit wird der Flämische Riese empfohlen, aber laut anderen ist er weniger geeignet, denn auch wenn es große Kaninchen sind, sind sie zäh und daher nur gut für den Schmortopf. Sie nehmen viel Platz ein und brauchen mehr Futter. Natürlich wiegen sie auch mehr als ein normales Kaninchen. Der weiße Neuseeländer ist die beste Wahl aufgrund ihrer großen Fruchtbarkeit. Man sollte aber am besten über viel Gras verfügen.
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Wenn man mit Kaninchen züchten will, dann kann man nicht anders, als die Kaninchen getrennt zu halten (was die Kaninchen nicht mögen). Und um zu befruchten, kann man sie kurz zusammenlassen (weniger einfach allerdings als es klingt). Man muss sich gut vorbereiten, damit man weiß, wie oft man seine Zuchthäsin werfen lassen will, denn man will nicht mit zu vielen Kaninchen dasitzen.
Pflege von Kaninchen
Man muss seine Kaninchen sehr gut pflegen, damit sie nicht krank werden. Wenn man Kaninchen hält, wird empfohlen, ihnen vor allem Heu (90 Prozent – so viel wie sie groß sind) zu geben, ein ganz kleines bisschen Pellets (langweilige Stäbchen – eine Sorte Pellet, in dem alles zusammen gemischt ist, denn Kaninchen sind wählerisch und es kann sein, dass sie dann manche nicht auffressen und dann verliert man wertvolles Futter) und begrenzt Grünfutter (von zu viel Grünfutter bekommen sie Durchfall). Heu und Pellets sind trocken, also kann man sie länger aufbewahren. Heu verliert allerdings mit der Zeit seine Nährkraft. Jeden Tag brauchen sie frisches Wasser. Es sind Dämmerungstiere, also kann man sie am besten morgens und abends füttern. Sie essen natürlich auch gerne frisch gepflücktes Gras und Löwenzahn.
In Zeiten der Knappheit kann man sie günstig füttern mit frisch gepflücktem Gras, Löwenzahn, Klee, Gemüseresten und Blattwerk. Sie fressen alles auf, was man ihnen gibt, also auch giftige Pflanzen. Deshalb sollte man am besten nachschlagen, welches Gemüse und welche Kräuter sie essen dürfen, denn Kohl und Salat dürfen sie zum Beispiel nicht essen. Ihr Stall muss sicher jede Woche ausgemistet werden, damit sie nicht krank werden können.
Kaninchen mit Kirschen, Pflaumen oder Rosinen
Kaninchenfleisch enthält 22 Gramm Eiweiß und 5 Gramm Fett pro 100 Gramm. Es ist mageres Fleisch, also ist nur Kaninchenfleisch zu essen nicht ausreichend, um davon zu leben. Aber man kann bei der Zubereitung viel Fett hinzufügen. Nicht vergessen, dass ausreichend Fett und Eiweiß zu essen wichtiger ist als Kohlenhydrate.
Kaninchen eignet sich sehr gut zum Schmoren in einem geschlossenen Topf mit Deckel auf kleiner Flamme. Eigentlich ist das ein Eintopf, flämischer geht es nicht. Es dauert zwar länger, aber man braucht nur ein Feuer. Es scheint mir auch weniger Arbeit: alles schneiden wie Zwiebeln, Karotten, Bier, Trockenpflaumen, Thymian,… und schwupps alles in den Topf werfen. Manche Biere halten sich lange, also praktisch, um auch etwas davon zu lagern.
In den Rezepten mit Pflaumen verwenden sie stets getrocknete Pflaumen, aber vielleicht kann man auch welche aus der Dose oder dem Glas stattdessen nehmen. Oder man entscheidet sich, Kirschen aus einem Glas hinzuzufügen. Oder Rosinen.
Viele Möglichkeiten zu erwägen und man kann sicher noch mehr Inspiration aus einer fernen Vergangenheit schöpfen, um sich auf die Zukunft vorzubereiten!






