Hast du jemals schon einmal gedacht: was wäre, wenn ich in der freien Wildnis weit entfernt von jeder Zivilisation ausgesetzt würde – würde ich das überleben? Und was würde ich brauchen? Und was, wenn du keine Wahl hast wegen fehlender Zivilisation? Nun, unten findest du schon mal einen rudimentären Anfängerleitfaden. Gut für einen Camping- und Wandertrip durch die schottischen Berge. Wahrscheinlich auch gut für eine halbe Apokalypse.
First things first, wie sie auf Englisch sagen. Du willst nicht erfrieren. Das bedeutet geeignete Kleidung, die dich warm genug hält und trocken. In ‚the great outdoors‘ gelten allerdings etwas andere Regeln als im normalen Leben. Deine geeignete Baumwollkleidung ist eine ganze Menge weniger geeignet für das notwendige ‚Schichten‘-System. Baumwolle hält nämlich Wasser fest und löst es langsam.
Schichten, Schichten und Schichten
Wie funktioniert das?
- Einige T-Shirts aus Merinowolle oder einem synthetischen Material oder Hybrid. Trocknet schneller, stinkt langsamer.
- Ein warmer Fleece-Pullover (trocknet wieder schneller), am liebsten mit vollständigem Reißverschluss.
- Eine Regenjacke mit versiegelten Nähten.
- Mütze (Merinowolle) und Handschuhe (Fleece)
- Eine gute Trekkinghose mit abnehmbaren Beinen.
Die Schichten kannst du an- oder ausziehen je nach Temperatur. Je mehr Schichten: desto wärmer. Aber nun stehst du da in deinem geeigneten Outdoor-Material, aber auf nackten Füßen…
Als Sockenmaterial brauchst du wieder Merinowolle oder etwas synthetisch Hybrides. Trockenere Socken (auch hier mehrere Paare) bedeuten weniger Blasen. Schließlich muss dein Schuhwerk sowohl robust als auch wasserdicht sein. Denke an ‚waterproof‘ Wanderschuhe (Goretex oder gleichwertig) mit hoher Knöchelunterstützung für raues Gelände. Hier solltest du am besten nicht zu viel sparen. Das Minimum ist etwas wie die MH500-Schuhe von Quechua (Decathlon). Der ‚Gold Standard‘ ist jedoch die Renegade-Linie von Lowa. Teurer, aber langlebig. Laufe diese erst ein paar Kilometer zuhause ein, bevor du campen und trekken gehst!
Unterkunft und Schlafkomfort
Gut. Nun kannst du durch die Natur trekken und das bei Wind und Wetter. Aber du willst nicht immer auf der Straße (oder mangels dieser) unterwegs sein natürlich. Eine Unterkunft oder ein geschützter Ort ist wichtig, wenn du rasten willst oder musst. Ein ultraleichtes 1-Personen-Zelt ist hier dann willkommen, gerne unter 2kg, damit es in deinem Rucksack problemlos mitkommt (darüber später mehr). Du kannst natürlich auch für ein größeres Zelt für mehr Personen entscheiden, aber jedes Kilo zählt in diesem Spiel. Geeignet ist die prima MT900-Linie von der Decathlon-Marke Simond. Du kannst auch leichter und spezialisierter gehen, aber das hat seinen Preis.
So, ein gutes Zelt an sich ist schön, du bist aus dem Regen und aus dem Wind. Aber bequem liegen ist auch ziemlich nett. Dafür brauchst du eine Matratze. Wähle ein kompaktes Modell, das nicht zu viel wiegt, und das du mit einer internen Pumpe aufblasen kannst. Also kein zusätzliches Material mitschleppen (allerdings steckst du am besten ein paar Patches oder Matratzenpflaster zum Matratzensack – man weiß ja nie). Unsere Wahl? Die günstige Vertrex Inflate X1: eingebaute Pumpe, sehr kompakt und ein Kopfkissen in der Form integriert.
Schließlich: ein guter Schlafsack. Auch hier willst du nicht zu viel Gewicht mitschleppen, aber andererseits ausreichend Wärme bekommen. Gehst du für einen sehr leichten und kompakteren Schlafsack wie den Coleman Biker Mummy, dann ist der prima, aber dann bist du am besten auch bereit, deine Kleider anzubehalten genau wie eine Mütze, wenn es draußen zu Gefriertemperaturen geht. Andernfalls gehst du am besten für einen ‚Vier-Jahreszeiten‘-Schlafsack wie diesen von Naturehike: der CW700 ist kaum schwerer, aber eine ganze Menge wärmer. Auch teurer natürlich.
Essen und Trinken
Bequemlichkeit und geringes Gewicht stehen beim Essen in der freien Wildnis im Mittelpunkt. Denke an Instantmahlzeiten, die nur kochendes Wasser benötigen. Unsere Empfehlung? Die ‚easy meals‘ von Action. Kommt nur in zwei Varianten (Mexikanisch oder Asiatisch), aber ein Beutel von noch nicht einmal 200 Gramm enthält eine vollwertige Mahlzeit für 1-2 Personen. 1,89 Euro pro Stück.
Wie wärmst du das dann auf? Es gibt natürlich zwei Möglichkeiten. Erst die schwierigste Methode: auf einem offenen Feuer. Dabei willst du ein Kohlenbett gemacht haben, damit du eine möglichst gleichmäßige Hitze hast. Dann die einfache Option: ein Gaskocher. Dafür brauchst du allerdings erst einen Brenner. Empfehlenswert sind der Pocket Rocket 2 von MSR, aber es gibt auch superkompakte Dinger wie den Ever Trex Ultra Light, kaum so groß wie einige Zuckerstücke. Beide haben ein Universalgewinde, das du auf eine Gasdose einfach auf- und abschrauben kannst. Du musst dann natürlich eine Gasdose (mit Gewinde) in deinem Rucksack (darüber also später mehr, versprochen) mittragen. Decathlon verkauft die günstigste, von der Marke ‚Forclaz‘, ihrer Outdoor-Linie.
Schließlich brauchst du noch einen Metallbehälter zum Kochen. Die ‚oldschool‘-Kochgeschirr kann dienen (steck einfach ein paar Socken hinein und du bist kaum Platz los). Aber es gibt auch modernere faltbare Kochsets wie die von Travelhawk, mit Besteck und Tellern alle darin.
Du kannst auch sammeln und jagen, aber das ist natürlich den aktuell geltenden Gesetzen unterworfen. Jagen mit einer Feuerwaffe geht nicht einfach so ohne Genehmigung, Feuerwaffen sind in Westeuropa nicht frei verkäuflich und außerdem sind sie auch schwer zum Mitnehmen. Mit einem kraftvollen Federluftgewehr wie der Weihrauch HW-90 könntest du theoretisch Kaninchen oder Eichhörnchen töten, aber wieder: in der heutigen Nicht-Apokalypse darf das nicht einfach so.
Was allerdings geduldet wird, ist das Pflücken von Beeren, Pilzen, Wurzeln und dergleichen mehr, die du in der freien Natur findest. Aber sie zu essen, ist nicht ohne Gefahr. Hier benutzt du am besten einen spezialisierten Führer dafür. Essbare Sachen, die du jedoch leicht erkennen kannst, sind Löwenzahn, Kletten-Labkraut, Brennnesseln und Blaubeeren. Lecker!
Für dein Trinken: halte es einfach. Kaufe eine bis drei gute Aluminium-Trinkflaschen. Diese von Quechua (wieder Decathlon) sind prima, mit dem einfachen Schraubverschluss-System. Anschließend brauchst du eine Nylonstrumpfhose, von der du einen Fuß abschneidest. Diese kannst du über deine Flasche halten, wenn du diese an einem (fließenden!) Bach oder Fluss auffüllen willst. Anschließend willst du alle Bakterien töten. Es gibt allerlei Systeme wie UV-Licht oder Squeeze-Filter, aber wenn du uns fragst, sind Wasserreinigungstabletten mit Chlor immer noch am sichersten, am günstigsten und am leichtesten. Kostet nichts und mit einer Pille reinigst du 1 Liter Wasser von 99,99% aller Tierchen.
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Kannst du nicht ohne deinen Kaffee? Eine kleine Mokka-Kanne von Bialetti funktioniert auf deinem Herd zu Hause genauso gut wie auf deiner Gasflasche von Decathlon.
Erste Hilfe, Elektronik und Verschiedenes
Wenn du weit entfernt von der Zivilisation bist, musst du dir selbst helfen. Kleine Wunden versorgst du mit Pflastern. Für größere brauchst du Kompressen. Aber auch eine Pinzette gegen Splitter und Zecken ist nützlich. Am einfachsten ist ein Alles-in-einem-Kasten von Travelhawk zum Beispiel. Pro-Tipp: Entferne einige redundante Artikel und füge hinzu: Compeeds, Desinfektionsmittel, Talkpuder (um deine Füße trocken zu halten!), ein kleines Töpfchen Vaseline (gegen Blasen). Eine kleine Tube Sonnencreme ist auch kein überflüssiger Luxus. Die kleinen Tuben für „Kids“ haben oft den besten LSF-Wert. Anti-Mückenspray und sogar ein Mückenkopfnetz können hier auch dazu gehören.
Was noch? Ein gutes Taschenmesser mit Schere, z.B. von Victorinox, kann dir in allen möglichen Situationen dienen – vom Apfelschneiden bis zum Nägelfeilen. Ein Knäuel (Nylon-)Seil ist ebenso nützlich. Du kannst Kleider daran aufhängen und mit einem Angelhaken kannst du sogar damit angeln. Noch ein paar Feuerzeuge zum Kochen. Anzündwürfel um ein Lagerfeuer zu machen. Als Toilettenpapier nimmst du am besten ein Päckchen „Wet Wipes“ mit – in jedem Supermarkt zu finden. Vielseitiger als eine klassische Rolle. Um alles trocken zu halten (auch deine Kleider!) willst du auch ausreichend „Ziplock-Bags“ und kleine Müllbeutel verwenden. Die normalen Beutel mit Verschluss von 3l von Toppits oder einer Eigenmarke im Supermarkt reichen aus.
Für deine persönliche Hygiene kommst du mit einem altmodischen Seifenstück weiter als mit schweren Flaschen Shampoo und Duschgel. Eine einfache nicht-elektrische Zahnbürste und Zahnpasta sind natürlich auch schön dabei. Willst du unbedingt Deo? Bevorzuge dann Roller statt der sperrigen Sprühdosen. Lass auch deine Baumwollhandtücher zu Hause. Ein Mikrofaser-Handtuch oder -Tuch (jawohl!) wird dir besser dienen. Trocknet deinen Körper, aber trocknet selbst auch viel schneller.
Auch praktisch: eine leichte Powerbank. Nicht irgendeine Powerbank, sondern ein multifunktionales Gerät mit Handkurbel. Das „FS Power Pack“ hat ein eingebautes Radio, eine Taschenlampe und Batterie, mit der du dein Handy aufgeladen halten kannst. Du kannst es in der Sonne aufladen oder selbst Strom erzeugen mit Hilfe der Handkurbel.
Dein Rucksack – dein mobiles Hauptquartier
Wie wirst du all das auf eine „tragbare“ Weise mitnehmen? Mit einem geeigneten Rucksack natürlich. Dies wird dein Hauptquartier auf deinem Rücken: alles wird darin sein, also muss es stabil und ergonomisch sein. Vergiss dein altes Kipling oder Eastpak, das du eventuell noch herumliegen hast, du brauchst einen Trekkingrucksack mit Hüftgurt und Schulterverstärkung. Schwere Sachen nach unten, nah an deiner Hüfte.
Ein prima Einstiegsmodell ist der MT100 „easyfit“ von Simond (Decathlon). Er hat satte 70 Liter Volumen und hat eine mitgelieferte Regenhülle – aber das „easyfit“-System passt sich an deine Größe an. Willst du lieber keine Risiken eingehen? Geh für den Terra von The North Face (65 Liter). Etwa doppelt so teuer, aber Trekker schwören darauf.
Unsere Erfahrungen auf dem West Highland Way?
Hoffen wir, dass all das oben genannte Material dir viel Freude während eines Campingausflugs bringt anstatt dringend benötigte Survival-Ausrüstung in schlimmen Umständen. Aber in beiden Umständen kann all dies dir schon ein ganzes Stück weiterhelfen.
Unsere Lehren aus einem kürzlichen Wander- und Campingausflug entlang des schottischen West Highland Way? Jedes Kilo zählt. Bevor du deinen Rucksack packst; frag dich: was brauche ich unbedingt und was muss nicht mit? Nimm genug Kleider mit, dass du wechseln kannst, aber nicht zu viel, sodass du dir nicht den Rücken kaputt machst. Du kannst Sachen immer waschen.
Lass das Dosenessen auch am besten zu Hause, genauso wie den schweren Kocher, den du einmal auf einem südfranzösischen Campingplatz 2017 benutzt hast. Deinen Rucksack leicht zu machen, heißt schneller voranzukommen. Aus welchem Grund auch immer das sein mag oder muss.






